Die Gestaltung des Innenraums

Die St. Gottfriedkirche wurde 1952/1953 nach den Plänen des Künstlers Hans Dinnendahl, Telgte, erbaut.

Der langgezogene Hallenbau ist als Wegkirche gestaltet, die den Weg Jesu nachgeht von der Taufe (Taufbrunnen am Eingang der Kirche) bis hin zum Tod am Kreuz auf dem Berg Golgatha (neun Stufen hoch angelegter Altarraum mit Kreuzigungsgruppe an der halbrunden Stirnwand). So weist die Wegkirche ihrer Gemeinde den Weg in der Nachfolge Jesu Christi, der Grundlage, der Kraft und dem Ziel ihres Lebens.

Die Kreuzigungsgruppe auf dem Berg Golgatha nimmt eine herausragende Stellung ein, nach ihr ist alles ausgerichtet. Auf sie sind alle Blicke gerichtet, nach dorthin führen alle Wege. Unter ihr steht der Altar zur Aufbewahrung der Eucharistie und davor der Altar zur Feier der Eucharistie.

Der großzügig wirkende, stützenfreie Raum hat eine in gleichen Abständen umlaufende, gleichgroße Fensterreihung mit oberen Rundbögen. Die Wandflächen sind aus Kalksandstein-Sichtmauerwerk, weiß gestrichen. Die Längsrichtung des Raumes wird durch parallel zur Raumform unter der glatten Holzdecke verlaufende Balken zusätzlich betont.

Berg Golgatha mit dem Altar zur Aufbewahrung der Eucharistie

Nach Osten erhebt sich, durch einen Umgang von der Außenwand abgesetzt und durch ein schmiedeeisernes Gitter mit Leuchtenhaltern geschützt, eine um sechs Stufen erhöhte Ebene, belegt mit Jura-Gelb-Mamor (Chorinsel). Auf einer weiteren, um drei Stufen erhöhten – eingerückten – Ebene führt eine weitere Stufe zu dem Altar zur Aufbewahrung der Eucharistie mit dahinter hochgeführter Schildwand aus Belgischem Granit. Sie trägt die eingeschlagene Inschrift:

+ WÜRDIG IST DAS LAMM, + DAS
GESCHLACHTET WARD, + ZU EMP-
FANGEN DER MACHT UND DIE
GOTTHEIT, + WEISHEIT + STÄRKE
UND EHRE +

Oben auf der Schildwand steht die beeindruckende Kreuzigungsgruppe, auch gestaltet von Hans Dinnendahl. Sie zeigt das Kreuz mit einer hoheitsvollen Christusfigur ohne Dornenkrone, die hl. Maria in ergreifender Haltung mit vor der Brust überkreuzten Armen, den hl. Johannes mit dem Finger der erhobenen rechten Hand auf Christus weisend. Das in der linken Hand gehaltene Buch weist auf Patmos, den Visionär der Offenbarung und auf den Evangelisten hin.

In der Altarplatte wurden bei der Konsekration Reliquien der hl. Märtyrer Faustinus und Demetrius eingelegt. Auf der Altarplatte steht der auf vier bronzenen, knieenden Engeln ruhende, zweitürige und mit Silberblech beschlagene Tabernakel. Die Türen sind mit einem mittleren Elfenbeinknauf und kreuzförmig aufgesetzten Elfenbeinleisten geziert. Der umgebende Rahmen hat Auflagen aus Edelsteinplättchen.

Bis zur liturgischen Umgestaltung der St. Gottfriedkirche im Jahre 2002 stand auch der Altar zur Feier der Eucharistie auf der oben beschriebenen erhöhten Ebene vor dem Altar zur Aufbewahrung der Eucharistie.

Der Altar zur Feier der Eucharistie

Mit dem Ziel, die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) in dem Sinne räumlich umzusetzen, dass die Menschen Gemeinschaft um den Altar erfahren (Begegnung mit Gott und den Menschen), hat die Gemeinde im Jahre 2002 der Chorinsel nach den Plänen des Architekten Peter Wörmann eine zentrale Altarinsel vorangestellt, deutlich näher und niedriger zur Gemeinde.

Die neu geschaffene Ebene mit dem Altar zur Feier der Eucharistie (Tisch des Opfers und Mahles), dem Ambo (Tisch des Wortes) und dem Vorstehersitz ist um drei Stufen erhöht. Die Bänke sind u-förmig so angeordnet, dass die Gemeinde die genannten liturgischen Orte von drei Seiten umstehen kann (circumstantes).

Altar, Ambo und Priestersitz wurden von dem Neffen des Künstlers Hans Dinnendahl, dem Künstler Ludwig Dinnendahl, gestaltet. Altar und Ambo sind aus dem Material des aus dem Chorraum entfernten Altars (Jura-Gelb-Marmor), der Priestersitz wurde aus gleichem Material gebildet.
Der Altartisch wird von vier auf einer Plinthe stehenden Rundsäulen getragen. Aus der Oberfläche der Plinthe ragt ein mittig eingesetzter Reliquienstein aus Belgischem Granit heraus.

Die Umgestaltung fügt sich harmonisch in das im Übrigen weithin unveränderte Erscheinungsbild des Innenraums ein. So greifen etwa die nach rechts und links der Altarinsel versetzten Bänke die Formgebung der Chorinsel auf und führen deren Linien in das Kirchenschiff hinein fort. Der neue Altar erlaubt einen ungehinderten Blick auf den oben beschriebenen Berg Golgatha.

Die liturgische Umgestaltung der St. Gottfriedkirche war seinerzeit heftig umstritten. Den in dieser Sache geführten Urheberrechtsstreit beendete der Bundesgerichtshof zugunsten der Gemeinde St. Gottfried durch das Urteil IZR 166/05 vom 19. März 2008: Leitet Herunterladen der Datei einDownload PDF

Das Taufbecken

Der mit einer flachen Bronzeplatte abgedeckte Taufstein ruht auf vier eng zentrierten Rundsäulen. Auf dem äußeren Rund des Taufbeckens ist eingeschlagen:

DURCH DEN EINEN HEILIGEN GEIST +
WURDEN WIR ALLE ZU DEM EINEN
LEIBE + CHRISTI + GETAUFT 1. Kor:12,13.

Die sakramentale Bedeutung des Ortes wird betont durch sieben kreisförmig gesetzte Stahlrohrstützen, durch eine Vertiefung in der Decke, durch ein rundgeführtes schmiedeeisernes Gitter sowie durch zwei Stufen, die vom Niveau des Kirchenschiffes hinabführen in den Bereich des Taufsteins. Der umgebende Boden aus Kieselstein deutet auf Wasser hin.

Die Verglasung / Die Fenster der Kirche

Die fünf mittleren Chorfenster sind figürlich gestaltet. Das mittlere Fenster zeigt Christus in ehrfurchtgebietender göttlicher Erhabenheit, auf der Weltkugel thronend. Die großen, rot leuchtenden Augen und das aus seinem Mund ragende, nach rechts weisende, zweischneidige Schwert künden von Christus als dem Richter am Ende der Zeit und Welt. Die erhobene rechte Hand ist von sieben Sternen umgeben. In der heiligen Zahl sieben kann Gottes Fülle gedeutet werden. Die sich auf die Knie stützende linke Hand zeigt das mit einem Kreuzdeckel geschlossene Buch.
Die Fenster rechts und links des Christus-Bildes bringen in bewegter Haltung je einen Engel zur Darstellung, Gott mit einem Weihrauchfass huldigend. Die zwei äußeren Fenster zeigen wiederum je einen Engel, der zum Lobpreis Gott zugewandt die Posaune bläst.
Die Westrosette über der Orgelempore ist der Marienverehrung gewidmet. Maria, die Mutter des im gegenüberliegenden Chorscheitel sichtbaren Erlösers und Weltenrichters, steht im Zentrum als Königin mit ausgebreiteten Armen, auf dem Haupt die Krone tragend. Der Kranz der sieben umgebenden Rundfenster kündet von Stationen des Marienlebens.
Diese Fenster sind durch ihre Aussage und eine starke Farbigkeit von großer Eindringlichkeit. Die Entwürfe der Verglasung stammen ebenfalls vom Künstler Hans Dinnendahl.

Die Orgelempore mit Orgel

Vor der Westwand befindet sich in voller Raumbreite die Orgelempore mit sichtbaren Unterkonstruktionen aus Stahlbeton. Prägend wirken die Rosette, bestehend aus einem mittleren Rundfenster und sieben umgebenden, kleineren Rundfenstern sowie die Orgel auf der Nordseite der Empore.
Der Orgelprospekt in einem Gehäuse aus Eichenholz zeigt einen gegliederten, symmetrischen Aufbau. In der Mitte ist das Schwellwerk mit zehn Registern angeordnet, darüber das Hauptwerk mit zehn Registern. Seitlich rechts und links davon befindet sich das Pedalwerk mit insgesamt acht Registern. Das Instrument wurde von Orgelbaumeister Lothar Simon aus Muddenhagen im Jahre 1978 gebaut.

Der Kreuzweg

Im Jahre 1960 wurde von dem Bildhauer Albert Reinker aus Everswinkel der Kreuzweg geschaffen und in die Nordwand der Kirche eingelassen. Die vierzehn Stationen zeigen in schlichter, gegenständlicher Darstellung die Leidensgeschichte Christi. Die Darstellungen wurden in Mosaik-Technik aus Natursteinen auf einem Betonuntergrund gefertigt.

Die Marienkapelle

Im Jahre 1963 wurde die in parabolischer Grundrissform angelegte Marienkapelle geschaffen. Ein Glasbetonfenster mit symbolischen Darstellungen der Auferstehung, des apokalyptischen Lammes, der Aussendung des Hl. Geistes, der Himmelfahrt und der Krönung Mariens, in starker farbiger Leuchtkraft, erhellt den Raum. Das Fenster wurde entworfen von dem Glasmaler Heilmann aus Borghorst.
Die Schutzmantelmadonna wurde im Jahre 1956 von dem ortsansässigen Bildhauer Wilhelm Heising geschaffen. Unter dem ausgebreiteten Mantel trägt der erste Pfarrrektor von St. Gottfried ein Modell der St. Gottfried-Kirche mit dem noch unvollendeten Kirchturm.

Die Krypta

Unter dem hochliegenden Chorraum befindet sich die Krypta, sie ist 1973/74 ausgebaut worden nach 2 Jahrzehnten Rohbauzustand. Die Führung der oberen Chorinsel wird durch acht Pfeiler im halbkreisförmigen Verlauf erlebbar gemacht. Der Raum ist durch acht halbrunde Fenster belichtet, die der Glasmaler Wilhelm Buschulte aus Unna entworfen hat.
In einem zweiten Abschnitt gelangten 1982/83 der Zelebrationsaltar, das Tabernakelgehäuse, die Ewig-Licht-Ampel und ein Kredenztisch zur Aufstellung. Die in Bronze gehaltene Gestaltung des Tabernakels führte der Bildhauer Hubert Teschlade aus Münster-Nienberge aus. Das von dem Bildhauer Kunkler aus Raesfeld im Jahre 1954 geschaffene Vortragekreuz ergänzt die Ausstattung als Stehkreuz.