Wir trauern um Pater Hubertus Görgens

 

 

Gott ist uns nahe. Näher als wir meinen.

 

Wann? Wo? Wie?
Bestimmt in den Gottesdiensten, in den anderen Zeichen seiner Liebe,
den Sakramenten, und in den Begegnungen mit seinen Geschöpfen, unseren Mitmenschen.

Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen kann und oft schon erzählt habe:
Es war in der St. Gottfriedkirche, Kindergottesdienst am Karnevalssonntag (noch vor dem Umbau unserer Kirche), viele Kinder, Eltern und andere Gemeindemitglieder; die Kinder selbstverständlich in den verschiedensten Kostümen und Berufsuniformen.

 

 

Ein etwa 7- bis 8-jähriger „Cowboy“
fiel mir schon beim Gang zum Altar auf.

Als ich an der (damals noch vorhandenen Kommunionbank) und an seiner ersten Bankreihe vorbeiging, sah er mich erstaunt an. Der Blick sagte, Gott sei Dank, doch ein Erwachsener in einer „Verkleidung“.

 

 

 

Für diesen Jungen schien ich die wichtigste Person zu sein, die Kinder neben ihm interessierten ihn kaum. Genau verfolgte er all meine Bewegungen, Gesten, Verneigungen und Händestellungen hinter dem Altar. Hielt ich die Hände in der normalen „Orante“-Stellung, faltete ich die Hände, machte ich ein Kreuzzeichen, eine Verneigung, eine Kniebeugung: eine kleine Zeitverzögerung: und mein Cowboy machte mir alles nach. 
Ich gestehe: Bei diesem Gottesdienst war ich mit meinen Augen und Gedanken mehr bei diesem Jungen als bei der ganzen Gemeinde und Gott in meiner Nähe.

Es ging auf das Ende der Messe zu, Schlussgebet und Segen, da kam mir der Gedanke, ob wohl die Mutter ihm schon beigebracht hatte, wie man das Kreuzzeichen macht, wenn man gesegnet wird. Ich setzte groß an, breitete meine Hände aus und rief: „Es segne euch der Vater …“ und
schaute dabei auf meinen Cowboy. Der machte kein Kreuzzeichen und segnete sich wie die Kinder neben ihm nicht. Nein: Er breitete seine Arme aus, fügte die Hände zusammen und machte wie ich am Altar ein Kreuz von oben nach unten und von links nach rechts. (Ehrlich, ich war etwas traurig und dachte, warum hat die Mutter ihm noch nicht gezeigt, wie man sich segnet. Als ich so alt war, konnte ich es schon, auch das Vaterunser etc.)

 

David Hassenforder in Pfarrbriefservice.de

 

Als ich die Stufen dann hinabging,
kam mir ein guter Gedanke:
Als Priester darfst und musst du immer wieder die Mitchristen segnen.
Wer segnet dich, mich also?
Auch ich brauche Gottes Segen!
Heute hat dich ein Kind gesegnet,
Gott in diesem Kind.
Und das hat mich ganz froh gemacht
und ich habe Gott gedankt, dass er mir
in diesem Kind bei diesem Gottesdienst
so nahe gewesen ist.

 

 

 

Ich ging dann zu dem Cowboy hin, strich ihm über den Kopf und fragte ihn, ob es ihm gefallen habe. Er sagte, dass es für ihn schön gewesen sei. Auf meine Frage, ob er denn am nächsten Sonntag wiederkommen würde, antwortete er: „Wenn meine Eltern mich lassen“.

PS: Ob sie es getan haben oder gar selbst mitgekommen sind, weiß ich nicht. Sollte der „Cowboy“ von damals noch leben und – mehr als zufällig – diese Zeilen lesen, bitte ich ihn, mich im Salvatorkolleg zu besuchen. Ich möchte ihm danken, dass er mich einmal die Nähe Gottes erfahren ließ.

P. Hubertus Görgens, Salvatorianer

im Weihnachtspfarrbrief 2017