Eindrücke vom Synodalen Weg aus erster Hand – Neue Texte von Julia Knop

 

Von Formalitäten, „Anwälten der Gläubigen“
und einer offenen Diskussionskultur

Die erste Synodalversammlung tagte in Frankfurt

Vom 30. Januar 2020 bis 1. Februar 2020 fand die erste Synodalversammlung des Synodalen Weges statt. 230 Delegierte zwischen 16 und über 70 Jahren kamen nach Frankfurt, um Themen, Aufgaben und Perspektiven des Synodalen Weges zu beraten.

Den Auftakt bildete eine heilige Messe im St. Bartholomäus-Dom, der der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Reinhard Kardinal Marx, vorstand. Anschließend wurde die Synodalversammlung ebenfalls im Dom eröffnet. Prof. Dr. Thomas Sternberg, der Präsident des Zentral-komitees der deutschen Katholiken (ZdK), führte ein. Danach kamen sechs Synodale zu Wort, die verschiedene Perspektiven und Generatio-nen, Berufsgruppen und Stände der katholischen Kirche in Deutschland vertraten. Warum sie sich am Synodalen Weg beteiligen, ist wie viele andere Wortmeldungen der Synodalversammlung in Text und als Video auf der Homepage www.synodalerweg.de abrufbar.

Übertragung in alle Welt

Die Debatten selbst fanden am nächsten und am Folgetag im evangeli-schen Dominikanerkloster statt. Die Synodalen saßen im langgestreckten Saal an längs gestellten Tischreihen, das Präsidium quer dazu am Kopf-ende. Auf einer Empore fanden Journalisten und Beobachter aus den Schwesterkirchen aus Deutschland und Europa Platz. Im Flur hatte weitere Presse und Technik ihren Ort, denn die Konferenz wurde vollständig per livestream in alle Welt übertragen und übersetzt. Interviews und Por-traits mit Synodalen wurden hier aufgezeichnet.

Wie wohl immer in einer ersten Sitzung nahmen Formalia – Anträge zur Änderung der Geschäftsordnung – mehr Zeit ein als geplant. Inhaltlich ging es dann aber bald um eine Vergewisserung über Erwartungen und Möglichkeiten des gemeinsamen Unternehmens. Die vier Themen, die der Synodale Weg sich zur Aufgabe gemacht hat – Macht, Sexualität, Priester, Frauen –, wurden von den Vorsitzenden der vorbereitenden Arbeitsgruppen vorgestellt. Außerdem berichteten „Anwälte“ der Gläubigen von den mehr als 5.300 Eingaben, die zur Umfrage auf der Homepage gegeben worden waren.

Gute Basis für einen gemeinsamen Weg

Zwischen diesen Einschätzungen und der Expertise der Arbeitsgruppen gab es durchweg große Parallelen; es wurden dieselben Probleme identi-fiziert und verwandte Lösungen vorgeschlagen. Das ist eine gute Basis für einen gemeinsamen Weg zur Erneuerung der Kirche in Deutschland. Sichtbar wurde freilich auch, wo Konfliktlinien verlaufen – alle „Anwälte“ berichteten von Polemik und beleidigenden Ausfällen, die neben der Mehrzahl engagierter und konstruktiver Wortmeldungen eingegangen sind.

Dann folgte jeweils die große Aussprache im Plenum. Hier herrschte beste Diskussionskultur mit teils sehr persönlichen, durchweg freimütig, fast immer auch frei formulierten Redebeiträgen. So viele Synodale beteiligten sich, dass die Redezeit drastisch gekürzt werden musste, um mög-lichst viele zu Wort kommen zu lassen. Die geistlichen Begleiter des Pro-zesses sorgten mit regelmäßigen Impulsen dafür, die vielen Eindrücke zu verarbeiten und das Unternehmen immer wieder ins Gebet und vor Gott zu bringen.

Abstimmungsquorum für Frauen vereinbart

Bis zur nächsten Plenarversammlung werden nun die neu gebildeten „Fo-ren“ arbeiten. Im September 2020, wenn die zweite Synodalversammlung tagt, können die ersten Textvorlagen diskutiert werden. Nach einer zweiten Lesung können Beschlüsse gefasst werden. Sie brauchen eine zweifache Zweidrittelmehrheit: des Plenums und der Bischöfe, außerdem, wie in Frankfurt vereinbart wurde, auf Antrag noch die Mehrheit der anwesenden Frauen.

Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de

 

Julia Knop, Bild: Sebastian Holzbrecher, in Pfarrbriefservice.de


Dr. theol. Julia Knop (geb. 1977) ist Professorin für Dogmatik an der Ka-tholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und Mitglied der Synodalversammlung sowie des Synodalforums „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“.

 

 

 

 

Der Synodale Weg

Der Synodale Weg ist ein Gesprächsprozess innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Er soll der Aufarbeitung von Fragen dienen, die sich im Herbst 2018 nach der Veröffentlichung der MHG-Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche ergeben haben. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verantworten gemeinsam diesen Prozess, der auf zwei Jahre angelegt ist und am 1. Dezember 2019 eröffnet wurde. –> www.synodalerweg.de