Eindrücke vom Synodalen Weg aus erster Hand – Neue Texte von Julia Knop

 

Das Thema Frauen
Geschlechtergerechtigkeit „unterhalb“ des Weiheamtes ist wichtig – doch es geht um mehr beim Synodalen Weg

Ursprünglich war es nicht geplant. Das Zentralkomitee der deutschen Ka-tholiken, das mit der Deutschen Bischofskonferenz den „Synodalen Weg“ ins Leben gerufen hat, brachte es als viertes Thema ins Spiel: die Frauen-frage. Diese Frage muss behandelt werden, wenn die katholische Kirche in Deutschland glaubwürdig einen Weg der Reform und Erneuerung gehen will. Dass solche Erneuerung dringend nötig ist, sagen die Gläubigen schon lange. Nachdem 2018 die Erkenntnisse der MHG-Studie zu sexualisierter Gewalt von Priestern an Schutzbefohlenen veröffentlicht worden sind, ist wohl allen klar: Die innerkirchlichen Machtverhältnisse, ihre rechtliche Absicherung, aber auch ihr ideeller Hintergrund müssen auf den Prüfstand. Dass in der Kirche nur zölibatspflichtige Männer „regieren“, hat anderen zum Schaden gereicht. Dass die römisch-katholische Kirche mit dem Ausschluss der Frauen vom Weiheamt massiven grundrechtlichen Anfragen ausgesetzt ist, kommt seit Jahrzehnten hinzu.

Drei Bereiche auf der Agenda

Nun ist das Thema also endlich auf dem Tisch. Auf den fünf Regionalkon-ferenzen des Synodalen Wegs, die Anfang September 2020 stattgefunden haben, wurde ein Entwurf der Gruppe diskutiert, die sich mit „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ beschäftigt. Insgesamt hat diese Gruppe drei Bereiche auf der Agenda: 1., praktisch und zielorientiert, die Frage nach mehr Partizipation von Frauen, soweit dies unter den gegebenen Bedingungen möglich ist, 2., grundsätzlicher, Fragen von Sex und Gender und des Verhältnisses von Mann und Frau sowie 3. das im katholischen Kontext brisante Thema der Weihe von Frauen zu Diakoninnen, Prieste-rinnen und Bischöfinnen. Im Herbst 2020 sollten eigentlich nur Empfeh-lungen zum ersten Unterpunkt diskutiert werden. Sie würden mutmaßlich wenig Zündstoff bieten und könnten mit etwas gutem Willen auch bald umgesetzt werden: z.B. mehr Frauen in kirchliche Leitungspositionen zu bringen, die keine Weihe erfordern, Laien- und Frauenquoten in kirchli-chen Gremien einzuführen, die Predigt von Pastoralreferentinnen in der Sonntagsmesse zu erlauben und das Kirchenrecht auf geschlechtsspezifi-sche Ungleichheiten zu überprüfen.

Die Amtsfrage muss gestellt werden

Über solche Fragen war auch rasch Konsens erzielt. Doch für eine große Mehrheit der Synodalen aller fünf Konferenzorte war klar: Es ist wichtig und richtig, „unterhalb“ des Weiheamtes mehr Geschlechtergerechtigkeit zu fördern und alles zu tun, was jetzt schon möglich ist. Aber das reicht nicht. Die Amtsfrage muss gestellt werden. Und dies nicht, um Frauen zu „fördern“ oder sie zu „ermutigen“, ihre Begabungen einzubringen. Das tun sie längst. Sie haben längst bewiesen, dass sie Männern, ob Priestern o-der Laien, in Qualifikation und Begabung ebenbürtig sind. Nicht die Frauen stehen in der Pflicht nachzuweisen, dass ihre Fähigkeiten der Kirche gut-täten. Sondern eine Institution, die Geschlechtergerechtigkeit nicht als relevanten Maßstab für ihre äußere Struktur und innere Einstellung gelten lässt, ist begründungspflichtig. Dass am Ende des Synodalen Wegs im Frühjahr 2022 die Frauenweihe steht, ist unwahrscheinlich. Aber die Sy-nodalen stehen dafür ein, dass das Thema auf der Agenda der römisch-katholischen Kirche bleibt. An der Frauenfrage entscheidet sich heute mehr denn je die Glaubwürdigkeit der Kirche.

Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de

 

 

Julia Knop, Bild: Sebastian Holzbrecher, in Pfarrbriefservice.de


Dr. theol. Julia Knop (geb. 1977) ist Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und Mitglied der Synodalversammlung sowie des Synodalforums „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“.